Der erste und der letzte Hecht

Zum Auftakt und zum Ausklang gab’s auch dieses Jahr mal wieder Hecht, wobei die anglerischen Szenarien unterschiedlicher kaum hätten sein können:

Am 1. Januar war ich mit Dustin und seinem Überschall-Geschoss auf einem holländischen Großgewässer mit Monsterfischpotential unterwegs. Beim Verticalen auf Zander stieg als erster Fisch des Jahres dieser 99er ein, der sich trotz Weitwinkelobjektiv nicht auf 1,50 Meter hochfotografieren lassen wollte. Von der Frequenz her war’s zwar etwas zäh, aber erfreulicherweise konnten wir einige ziemlich gute Fische landen.

Am 29. Dezember war ich zum traditionellen Jahresabschlussangeln mit meinem Kindergartenfreund Jens an einem kleinen flachen See am Niederrhein. Da uns dort kein Boot zur Verfügung steht, mussten wir vom Ufer aus ran, was angesichts all der überhängenden Bäume und des dichten Gestrüpps kaum möglich ist. Trotzdem konnten wir – nach einem eher traurigen Ergebnis im Jahr zuvor – jeder zwei Hechte zwischen 50 und 70 Zentimetern auf ganz flach laufende Köder erbeuten (super: Rapala X-Rap Subwalk), was unter den erschwerten Bedingungen und bei bestem Wetter großen Spaß gemacht hat.

Zwischen diesen beiden Trips war ich – wer kennt das nicht? – zwar etwas weniger auf dem Wasser als geplant, aber im nächsten Jahr wird das – wer kennt das nicht? – ganz bestimmt viel besser …

In diesem Sinne guten Rutsch und viel Erfolg im neuen Jahr!

Jan

Digitaltechnik: Die Schnur muss nass sein – und der Finger an der Schnur!

Es ist mir schleierhaft, warum beim Jiggen nicht jeder mit dem Finger an der Schnur fischt.* Ich mache das, seit … Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, seit wann ich das mache. Ich bin auch nicht sicher, wem ich diese Inspiration ursprünglich zu verdanken habe. Waren es die alten Haudegen von Profi Blinker? War es ein anderes Urgestein der Spinnanglerszene? Auf jeden Fall waren es irgendwelche Videos (VHS!), auf denen irgendwer seinen Finger an die Schnur gehalten hat, mit der Folge, dass ich mir diese Technik irgendwann irgendwie angeeignet habe. So weit ich weiß, hat diese Technik komischerweise keinen halbwegs etablierten Namen. Da der Finger in der Biologie digitus heißt nenne ich sie mangels besserer Alternativen hier mal Digitaltechnik.

Mir ist schon klar, dass sehr viele, sehr gute Angler Köderführung und Bisserkennung sehr erfolgreich anderweitig kontrollieren. Die Behauptung ist also nicht, dass man mit der Digitaltechnik besser fängt. Sondern dass sie das Spinnfischen komfortabler, vor allem aber noch viel adrenalinschubreicher macht.

Bei den optischen Techniken (Blick auf die Rutenspitze, Blick auf die Schnur) ist das ziemlich offensichtlich: Man muss dauernd konzentriert irgendwo hinstarren, anstatt dass man – wie bei der Digitaltechnik – entspannt umherschauen kann. Endgültig an ihre Grenzen kommen die optischen Techniken spätestens, wenn das Licht ausgeht: Außer unter künstlicher Beleuchtung lassen sich Schnüre und Rutenspitzen im Dunklen ziemlich schlecht erkennen. Dabei soll der ein oder andere Zander ja auch schon nachts gefangen worden sein.

Bei den anderen taktilen Techniken (Wahrnehmung über die Rute, Finger am Blank), gibt es diese Nachteile zwar nicht. Ich glaube aber, dass sie im Vergleich zur Digitaltechnik weniger zuverlässig, weniger sensibel, weniger präzise sind: Wenn man den Zeigefinger während der Absinkphase an die Schnur hält, spürt man überdeutlich, wenn eine verlorene Laube den vorbeisegelnden Gummifisch schmachtend anhaucht. Dieser Hauch ist, fürchte ich, selbst über den modernsten Blank und das fortschrittlichste Rollenhalterreizübertragungssystem kaum wahrnehmbar.

Vor allem aber kann beim Spinnangeln kein Biss direkter in den Cortex krachen als durch einen Schnurschlag in die Zeigefingerkuppe. Das ist eine Unmittelbarkeit wie beim Fliegenfischen, wenn der Einschlag in die Striphand ballert. Starkstromschläge und der satte Widerstand, der auf den Anhieb folgt – wofür lohnt sich der ganze Angelirrsinn sonst?

Manchmal höre ich, die Digitaltechnik sei schwer zu beherrschen, aber ich glaube das ist ein Irrtum. Ein bisschen Training sollte reichen. Wichtig ist eine eigene Routine zu entwickeln, wie man die Schnur zu fassen bekommt. Ganz gut geht das mit der Oberseite des Zeigefingers: Nach einer beliebigen Zahl von Kurbelumdrehungen die Schnur kurz oberhalb des Schnurlaufröllchens mit dem Zeigefinger (Fingernagelseite) stoppen. Ob fast direkt am Schnurlaufröllchen oder etwas darüber hängt davon ab, ob der Rollensteg zwischen Mittel- und Ringfinger oder zwischen Ring- und kleinem Finger liegt.

Dann umgreifen, indem man die Schnur mit der Fingerkuppe (Fingerabdruckseite) einfängt.

Das alles geht nur in der Position, in der das Schnurlaufröllchen dem Blank am nächsten ist, wenn es sich auf seiner Umlaufbahn um die Rollenspule also gerade zwischen Spule und Rutengriff befindet. An ihre Grenzen kommt die Digitaltechnik daher bei extrem kurzen Absinkphasen, sei es im ganz flachen Wasser, bei stark überbleiten Ködern oder weil die Laune der Fische solche verlangt. Absolutes Minimum an Schnureinzug ist, dass das Schnurlaufröllchen die Spule einmal komplett umrundet, weil man die Schnur zuvor nicht erneut zu fassen bekommt. Je nach Übersetzung entspricht das weniger als einer viertel Kurbelumdrehung. Da muss das Stoppen, Umgreifen, Loslassen und erneute Stoppen der Schnur dann allerdings so hochfrequent erfolgen, dass man kaum noch nachkommt. In solchen Fällen weicht man daher besser auf eine der anderen Techniken aus. Wobei dann immer wieder festzustellen ist, dass Angeln auch mit diesen ziemlich viel Spaß machen kann …

Tight Lines!

Jan

 

* Um Missverständnisse zu vermeiden: Mit Jiggen ist hier ganz allgemein das Angeln mit kopflastigen Ködern gemeint, bei dem eine kontrollierte Absinkphase eine Rolle spielt; egal, ob die Animation des Köder zwischen den Absinkphasen nun über Rute, Rolle oder beides erfolgt.

Die heilige Zweifaltigkeit – Teil 2: Nachruf auf eine ziemlich perfekte Zander-Combo

Wenn’s auf Hecht und Zander bzw. auf Hecht oder Zander in ziemlich unterschiedlichem Schweregrad oder auch auf Dorsch in unterschiedlichen Tiefen gehen soll, kommt als Ergänzung zur schweren Biomaster Select Shad die leichte Biomaster S81MH ins Spiel.

Sie ist von Haus aus eine mittelschwere Zanderrute: 2,46 Meter lang bei einem wiederum recht realen Wurfgewicht von 15 bis 50 Gramm. Ganz überwiegend nutze ich sie für klassische Zander-Gummis zwischen 10 und 15 Zentimetern an Köpfen zwischen 5 und 25 Gramm. Für meinen Geschmack liegt die Rute am besten mit einer 2500er-Rolle in der Hand, aktuell fische ich sie am liebsten mit der Biomaster FB. Wer zur Ausbalancierung etwas mehr Gewicht an den Griff bringen möchte oder wer an die Bedeutung maximaler Beschleunigung beim Anjiggen über die Rolle glaubt, kann natürlich auch eine 4000er mit hoher Übersetzung dranschrauben, z.B. die Stradic.

Ich muss zugeben, dass mich beim Erstkontakt die ziemlich sensible Spitze etwas irritiert hat. Ich dachte, dass ich zum Zanderjiggen nur Bretter mag, außerdem habe ich mich gefragt, ob es da Kraftübertragungsverluste beim Anschlag gibt. Wie ich nach ausgiebigem Testen mittlerweile weiß, ist beides nicht der Fall.

Mittlerweile sehe ich eher die Vorteile der Spitzensensibilität: Kollegen, die nicht mit dem Finger an der Schnur fischen, haben mir gesagt, dass ihnen dadurch die Köderführung und die Bisserkennung erleichtert werden. Vielleicht schlitzt dadurch auch der eine oder andere Fisch weniger aus. Außerdem lassen sich so Hardbaits und (Meerforellen-)Blinker besser animieren.

Womit wir schon wieder beim Thema Salzwasser wären: Fürs leichte Dorschangeln vom Boot eignet sich die Rute super. Fürs Fischen in der Andrift hat sie die richtige Länge und die richtige Schnelligkeit, bei der Abdriftangelei spielt die sensible Spitze ihre Stärken aus.

Wenn aufgrund der Tiefe, der Strömung und/oder der Driftgeschwindigkeit Bleiköpfe von mehr als 35 Gramm benötigt werden, macht mir das Fischen mit schwererem Geschütz mehr Spaß. Das gilt auch, wenn regelmäßig mit großen Dorschen zu rechnen ist. Dann kommt die Select Shad zum Einsatz: Schwer bebleite Gummifische und Pilker in üblichen Ostsee-Größen lassen sich mit ihr komfortabel fischen. Und wenn es mal drauf ankommt etwas mehr Druck auszuüben (z.B. am Wrack), hat die Select Shad die dafür erforderlichen Kraftreserven. Zwar kommt auch die leichte Biomaster S81MH mit Fischen besseren Formats klar, der Drill kann dann allerdings ein wenig dauern …

Einen guten Eindruck macht die Rute übrigens auch beim Meerforellenangeln vom Boot. Ich habe sie dazu zwar bislang nur ein einziges Mal eingesetzt und dabei auch nur eine einzige, zu allem Überfluss auch noch untermaßige Meerforelle gefangen, auf deren Abbildung ich hier aus Pietät verzichte. Die ersten paar hundert Würfe mit Møresildas zwischen 15 und 22 Gramm im klaren Wasser über Leopardengrund haben aber viel Spaß gemacht, zumal sich zur Abwechslung immer mal wieder ein Dorsch in den flach geführten Blinker eingeklinkt hat.

Leider ist dieser Text ein Nachruf. Denn wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, ist die Biomaster S81MH im nächsten Jahr nicht mehr im Sortiment. Letzte Chance also, die Altbestände aufzukaufen …

Alles Gute!

Jan

Die heilige Zweifaltigkeit – Teil 1: Eine ziemlich perfekte Hecht-Combo

Manche meiner Kollegen stören sich manchmal daran, dass ich am liebsten pro Köder mindestens eine Ruten-Rollen-Combo mit an Bord nehme. Darauf nehme ich natürlich Rücksicht, indem ich die Anzahl der Gerätschaften drastisch reduziere.

Wenn es zum Äußersten kommt und man sich auf ein Limit von zwei Combos pro Person einigt, sind trivialerweise zwei Dinge wichtig: Erstens muss die jeweilige Combo für ihren Einsatzzweck möglichst perfekt geeignet sein. Zweitens müssen sich die beiden Combos möglichst ideal ergänzen.

Je nach Zielfisch, Methode, Köder, Revier etc. kommen natürlich unendlich viele sinnvolle Doppelkombinationen in Betracht. Für ein breites Spektrum von Einsätzen auf Hecht und Zander, z.B. am Peenestrom, am Strelasund, auf holländischen Großgewässern etc. hat sich ein Biomaster-Duo als ziemlich perfektes Couple erwiesen: Die schwere Biomaster Select Shad S86XH und die leichte Biomaster S81MH. Dieses Duo ist nebenbei auch die endgültige Doppelkombination für Dorsch.

Die Biomaster Select Shad ist fürs (schwere) Hechtangeln aktuell meine erste Wahl. Sie ist 2,59 Meter lang und hat ein – ich würde sagen ziemlich reales – Wurfgewicht von 45 bis 135 Gramm: Bei Ködergewichten jenseits der 100 Gramm kann man immer noch durchziehen, bei Gewichten am unteren Ende des Spektrums lädt sich die Rute immer noch vernünftig auf. Ich fische mit der Select Shad hauptsächlich große Gummis zwischen 20 und 30 Zentimetern an Köpfen zwischen 10 und 30 Gramm. Wenn mit Großfisch zu rechnen ist oder wenn man den Köder dauernd durch dichtes Kraut zerren und freischlagen muss, nehme ich sie aber genauso gerne für die 15-Zentimeter-Klasse. Und natürlich lassen sich auch alle möglichen Swim- und Hardbaits super mit ihr fischen …

Die Rute ist schnell und straff. Bei Belastung geht die Aktion aber ins Parabolische über. Die Reserven im Rückgrat sind gigantisch und auch für Monsterhechte ausreichend. Ich fische die Rute am liebsten mit einer 4000er Rolle, aktuell mit der superleichten Stradic Ci4+, mit der sie für meinen Geschmack hinreichend ausbalanciert ist. Sie verträgt aber auch (manche würden wahrscheinlich sagen: sie verlangt eigentlich) ein 5000er Format.

 

Die Rute spielt Ihre Stärken auch beim schweren Zanderangeln aus, wenn etwa in der Hoffnung auf bessere Exemplare größere Köder zum Einsatz kommen. Für extragroße No-Action-Shads um die 25 Zentimeter an entsprechend schweren Köpfen braucht man sowohl zum Werfen als auch insbesondere für einen wirksamen Anhieb schon etwas mehr Wumms, als ihn eine typische Zanderrute bietet.

Bleibt noch das Salzwasser: Für Dorschtouren auf der Ostsee braucht meiner Meinung nach niemand etwas anderes als die heilige Zweifaltigkeit. Aber dazu mehr in Teil 2 …

 

 

 

Die Sucht nach Silber – Teil 1

Klar kann Schleppen langweilig sein. Zumindest wenn man überhaupt zum Schleppen kommt. Was bei unserer ersten improvisierten Ausfahrt auf Lachs nicht wirklich der Fall war. Denn schon beim Rauslassen der ersten Rute krachte kurz hinterm Boot der erste Silberbarren auf das bunte Blech. Terror an der Oberfläche – und mein Kollege am anderen Ende der Leine völlig perplex! Die Bremse war noch nicht richtig eingestellt, so dass der Fisch leider verloren ging. Was allerdings nicht so dramatisch war, weil keine fünf Minuten später – wir waren immer noch mit dem Ausbringen der ersten Montage beschäftigt – schon der zweite Lachs einstieg und diesmal nach explosivem Drill gekeschert werden konnte.

Was für ein Auftakt! Danach war zwar erst mal etwas Ruhe, aber am Ende des Tages hatten wir zu dritt fünf Lachse gelandet, womit wir mehr als zufrieden waren. Mehr als zufrieden? Wir waren angefixt!

Seit dieser ersten Tour, die schon ein Weilchen her ist, waren wir noch ein paarmal auf der Ostsee vor Rügen auf Lachs unterwegs, und werden es hoffentlich noch häufig sein. Selbst wenn – und das ist natürlich der Normalfall – nicht dauernd was beißt, hat man mit dem Setup des Systems beim Schleppen über 30 bis 40 Metern schon ein bisschen zu tun, wenn man möglichst die komplette Wassersäule zwischen Oberfläche und Grund bespielen möchte.

Wir haben meistens 4 Ruten an zwei Downriggern draußen, jeweils doppelt bestückt (der eine grundnah und auf etwa der Hälfte der Wassertiefe, der andere auf etwa Dreiviertel und einem Drittel). Dazu je ein bis zwei Ruten seitlich mit Paravan auf ca. 2 bis 8 Metern am Sideplaner bzw. Planerboard und manchmal noch eine Rute mittig hinterm Boot direkt an der Oberfläche.

Dabei war es erstaunlich zu sehen, dass die Lachse ihre Pelagialität offenbar recht ernst nehmen und durchaus zur gleichen Zeit in ganz verschiedenen Wasserschichten aktiv sind: In kurzem Abstand aufeinander folgende oder sogar gleichzeitige Einschläge an der tiefsten und der flachsten Montage kamen jedenfalls vor.

Als Köder haben wir größtenteils die üblichen verdächtigen Lachsblinker in diversen Formen und Farben am Start, ohne dass sich da bislang irgendwelche wunderwaffenhaften Favoriten herauskristallisiert hätten.

Bei der Schleppcombo ist natürlich eine zuverlässige und stabile Rolle unentbehrlich, die einem bei den brutalen 100-Meter-Fluchten möglichst nicht gleich um die Ohren fliegt.

Wir haben mittlerweile pro Mann je zwei Shimano Tekota 600 LC Multirollen im Einsatz, die auch seit Jahren auf den Guiding-Booten des Teams Bodden-Angeln verwendet werden.

Bei bestem Wetter und bester Wetterprognose waren wir zwar auch schon mit einer normalen Aluschüssel und 70 PS draußen. Empfehlenswert ist aber natürlich ein robustes rauwassertaugliches Boot mindestens der Kategorie C. Wer sich zum ersten Mal mit der Materie beschäftigt oder noch nicht die nötige Ausrüstung hat, bucht am besten ein Guiding bei einem bewährten Anbieter. Hauptsaison ist Ende Februar bis Anfang Mai – es kann also bald wieder losgehen!

Tight Lines!

Jan