Eisangeln mal anders

Liebe Blogleser,

immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, ob ich auch mal nicht angeln gehe. Meine Antwort ist dann: “Nur wenn das Eis zu dünn ist.” Genau so eine anglerische Zwangspause habe ich gerade hinter mir. Während es im Westen noch einigermaßen mild blieb, hat es bei uns im Osten richtig “geknackt” und nach einer wunderbar fischbaren ersten Januarhälfte froren unsere Gewässer schnell zu. Als die Eisflächen gerade dick genug zum Eisangeln waren, taute es seit dem letzten Wochenende zumindest tagsüber stark. Mittlerweile taut es auch nachts dank der andauernden Südlage. Es besteht die Hoffnung, daß nächste Woche wieder alles offen ist. Ich liess die Zeit nicht einfach verstreichen, immerhin habe ich viele neue Fliegen gebunden, aber das ist heute nicht mein Thema. Ich mußte einfach mal wieder angeln!

Die Steganlage, die mir in der eisfreien Zeit als tolle Basis zum Fliegenangeln auf Rotaugen gedient hat, hat doch bestimmt immer noch ein paar Fische, dachte ich mir. Weil mir bisher noch keine handelsübliche Eisangel so richtig gefallen hat, baute ich mir ein Spezialgerät. Es besteht aus einer feinen Feederspitze (0,75 oz, von der Shimano Purist Light Specialist), einem Eigenbau Holzgriff (danke Sebastian!) und meiner geliebten Baitcast-Rolle (Shimano Core). Ist bestimmt etwas ungewöhnlich, funktioniert aber extrem gut und läßt sich toll händeln. Als Köder verwende ich am liebsten eine Mormyschka, meistens mit einer Made garniert. Ich hatte meinen Eisbohrer dabei, um vom Steg aus in das mittlerweile dünne Eis bohren zu können, fand aber in der Nähe eines Bootes eine offen Stelle. Und los gings, das Mini- Vertikal- Mormyschka- Pilken! Mit von der Partie war die Sonne und meine Go-Pro und so gibt`s ein paar Bilder für Euch:

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das sind die Holzgriffe die mir mein Angelfreund Sebastian gemacht hat, seitdem mag ich Eisangeln…

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zusammen mit der Core liegt die Mini-Vertikal-Rute super in der Hand

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es hat gezupft – Anschlag!

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Hängt!

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nach der Zwangspause der erste Barsch

wenn es sein muss, kann man auch richtig drillen

wenn es sein muss, kann man auch richtig drillen

die erste warme Sonne und ein paar Barsche, ich hatte Spaß!

die erste warme Sonne und ein paar Barsche, ich hatte Spaß!

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Im nächsten Blog zeige ich Gerät und Montage nochmal genau! Ein schönes Wochenende wünscht

Jochen Dieckmann

Barsch-Alarm-Relaunch-Tour-Foto-Parade

Diese Galerie enthält 20 Fotos.

Zusammen mit Veit und Jochen war ich im Oktober mal für ein paar Tage auf dem Peenestrom unterwegs, um den Barsch-Alarm-Relaunch mit einer zünftigen Barsch-Tour abzufeiern. Ich bin einen Tag länger geblieben als meine Kollegen. Das hat sich gelohnt. Die dicken Barsche habe ich alle am Montag gefangen – als… Weiterlesen

Soft-Twitching: Wobbeln auf die weiche Tour.

Heute möchte ich euch meine aktuelle Lieblings-Kombo zum Barsch-Twitchen vorstellen. Wer häufig auf dem Barsch-Alarm unterwegs ist oder meinen Facebook-Account verfolgt, hat mich in letzter Zeit viel mit einer weißen Rute hantieren gesehen. Dabei handelt es sich dann um eine Shimano Stradic. Und zwar die SSTR61L. Das 1,85 cm lange Modell hat ein Wurfgewicht von 3 bis 15 Gramm und eine schnelle Aktion mit einer relativ weichen Spitze.

Eine weiche Spitze zum Twitchen? Macht das Sinn? Schließlich sollen sich ja die Zupfer aus der Rutenspitze auf den Köder übertragen. Da wäre doch eine glasharte Aktion besser, oder? So habe ich das auch mal gesehen und die Köder brutal durchs Wasser gedroschen. An geflochtener Schnur. Mit null Dehnung. Das habe ich solange getan, bis ich vom Barsch-Twitchen einen Tennisarm bekam und den Orthopäden aufsuchen musste. Ich habe also sprichwörtlich getwitcht, bis der Arzt kam.

So konnte es nicht weitergehen. Anstatt das Wobbeln aufzugeben, habe ich erstmal etwas Druck herausgenommen und die Geflochtene durch Mono bzw. Fluorocarbon ersetzt. Und siehe da, das ging auch gut. Manchmal habe ich mit der sich dehnenden Klarsichtschnur sogar besser gefangen als die Kollegen mit Geflecht. Ob’s wirklich an der durchsichtigen Schnur lag? Oder doch an den abgepufferten Bewegungen des Köders? Vielleicht sind kurze Ausweichmanöver ja viel natürlicher als heftige Ausbrecher, in denen sich der Wobbler fast überschlägt vor lauter Panik. In jedem Fall aber reicht meistens die Andeutung einer Flucht schon aus, um den Schnappreflex beim Barsch auszulösen. Oft muss man auch so defensiv Wobbeln (kurze Bewegungen mit langen Pausen), dass es überhaupt keine Rolle spielt, ob die Rute nun superhart, mediumhart oder etwas weicher ist. Für den Spaß am Dauertwitchen hingegen schon. Da macht sich eine etwas weichere Rutenspitze besser.

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Darüber hinaus gibt’s auch im Drill Argumente für die weiche Rute. Die kurzen Barsch-Fights machen an der SSTR61L nicht nur mehr Spaß. Sie bringt auch mehr Barsch nach Hause UND sorgt dafür, dass sich die Barsche beim Kopfschütteln das Pergament im Maul nicht aufreißen.

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Die mit einem Arztbesuch eingeläutete Umstellung auf Puffer-Tackle, ist inzwischen mit vielen guten Argumenten pro „Softness“ angereichert. Und wenn man sich auf youtube mal Videos von jerkbait-twitchenden Basscracks anschaut, sieht man, dass die softe Wobbel-Nummer so exotisch gar nicht ist. Da werden die Hardbaits teilweise mit Glasfaser-Stöcken animiert. Monofile ist dabei soweiso der Standard. Und wenn ein defensiver Ansatz auf die aggressiven Schwarzbarsche funzt, mögen den unsere Fische auch. Das sehe ich bei so ziemlich jedem Angelausflug.

Zu der feinenTwitchbait-Rute passt am besten eine Rolle mit einer relativ niedrigen Übersetzung, die eine langsame Führung begünstigt. Ich stand vor der Frage, ob es eine 1000er oder 2500er Rarenium sein soll und hatte beide Rollen an der Rute. Die größere hat den Vorteil, dass man etwas mehr Wurfweite erzielt.

2500er_rarenium

Die kleinere ist handlicher und 30 Gramm leichter. Außerdem führt sie die Schnur linear durch den Leitring, so dass die Schnur nullkommanull schlackert. Und weil ich viel vom Boot fische und es bei mir meistens nicht auf ein paar Meter Wurfweite ankommt, habe ich jetzt die 1000er Rarenium an der kleinen Stradic.

1000er_rarenium

Bespult ist die Rolle mit 16er Technium Spinning – also einer Mono. Das Besondere an dieser Schnur ist die relativ geringe Dehnung. Während sich viele Monos um 30 Prozent dehnen (Bruchlastdehnung), dehnt sich die Technium nur um 12 Prozent, so dass das Ködergefühl besser ist und man die Bisse auch auf „Distanz“ besser spürt. Wobei ich beim Wobbeln eh nicht anschlage, sondern nur die Rute anlupfe.

Auf der Ersatzspule sitzt eine 8er PowerPro – die immer dann zum Einsatz kommt, wenn ich mit der Kombo andere Köder fische, bei denen mir der ganz direkte Köderkontakt wichtig ist (z.B. Finesse-Jigs).

Zu 70 Prozent fische ich aber Mono, weil ich mit dieser Rute fast nur wobble. Hier noch ein Blick in meine Rapala/Storm-Box:

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Also: Versucht‘s mal auf die softe Tour! Bis bald.

Johannes

Super Sensitiv auf Barsch & Co.

In der Schweiz habe ich einen Angel-Stil kennengelernt, der hierzulande kaum praktiziert wird und den ich zu anfangs auch selber unterschätzt habe.

Um ehrlich zu sein, habe ich sogar ein bisschen in mich hineingelächelt, als ich das erste Mal mit Bata vom Fischershop Wels (St. Gallen) und seinen Kumpels in einem Züricher Bootshafen unterwegs war und mir die Ruten meiner Schweizer Begleiter angeschaut habe.

„Was sind denn das für Mikado-Stäbchen, Jungs? Wollen wir Barsche angeln oder soll‘s gezielt auf Brutfisch gehen?“

„Bei uns in der Schweiz hat’s nicht nur so große Barsche wie bei euch. Außerdem kannst Du Dir ja mal das Wasser anschauen. Das ist so klar, wenn Du da nicht entsprechend angelst, fängst Du gar nix!“

Naja. Das wollen wir mal sehen. So grob fische ich ja auch nicht. Konkret sah mein Setup so aus: Eine schnelle 25 Gramm-Rute. 8er Geflochtene. 21er Fluorocarbonvorfach. Fliegenfischer-Snap. Dazu ein realistischer No-Action-Shad am 15 Gramm-Kopf.

„So fängst Du hier nix!“ „Warum denn das? Ist doch fast 20 Meter tief. Da finde ich 15 Gramm fast zu leicht.“ „Hier fängst Du nur super-sensitiv!“

Ich habe an diesem Tag tatsächlich nichts gefangen. Meine Schweizer Kollegen, die Keitech-Gummis am matt lackierten 7 oder 5 Gramm-Illex Straight Jig Head auf die Reise schickten, aber auch nicht.

Bei einem meiner nächsten Besuche in der Schweiz – ich war extra in die Schweiz eingeflogen worden, um den Menschen da im Video „Die Schweiz fischt auf Egli“ das moderne Barsch-Angeln nahezubringen – haben sie mir aber auf dem Luganer See mit im Mittelwasser präsentierten Spider Grubs am 1 m langen Carolina-Rig so richtig einen vorgeangelt.

Und zwei Tage später auf dem Zürich See konnte ich erst ab dem Moment einigermaßen mithalten, indem ich meine Taktik an die Schweizer Konditionen angepasst habe und einen 3,5‘‘ Yamamoto Kut Tail Worm mit einem 10 Gramm-Bullet-Weight am Texas-Rig auf 20 bis 25 Matern anbot.

Diese Klarwasserseen haben aber auch echt ihre Tücken. Die Egli-Bande hat natürlich völlig Recht: Wenn da nicht alles stimmt, sieht man wirklich keine Flosse. Schon gar keine von guten Fischen.

Diese Erkenntnis habe ich mit nach Deutschland genommen und meine Barschausrüstung nochmal nach unten hin erweitert. Denn dieses super-sensitive Barschangeln hat nicht nur etwas mit Ködern, Bleigewichten, Schnurstäken, Schnurfarben und Jig-Kopfformen zu tun, sondern fängt bei der Hardware an.

Der Super-Sensitiv-Angler braucht eine spezielle Rute. Diese muss eine weiche Spitze haben, die erstens die Bewegungen abpuffert und ein bisschen realer wirken lässt; zweitens keinen Widerstand beim Biss erzeugt und drittens schon den kleinsten Zupfer anzeigt.

Für viele meiner Freunde aus der Schweizer-Egli-Fraktion gibt’s hier nur eine wahre Rute. Und zwar die Diaflash. Viele von ihnen fischen vom Ufer die 2,37 m lange Version mit einem Wurfgewicht von 0,8 bis 8 Gramm, die mir – wie bereits erwähnt – am Anfang ein Lächeln abgerungen hat.

Die ist so dünn, dass man wirklich in die Zahnzwischenräume mit ihr kommt. Das Besondere ist aber nicht nur der schlanke und leichte Blank. Das Super-Sensi-Feature No. 1 ist eine sogenannte Taftec-Spitze. Diese ca. 30 Zentimeter lang und mit dem schnellen Blank verschweißte Spitze ist weich, aber schnell und erfüllt genau die Kriterien, die es zu erfüllen geht, wenn man es mit ultrascheuen Barschen zu tun hat.

Auf der kleinen, aber hoch übersetzten Stationärrolle sitzt eine extrem feine Geflochtene. Bata & Co. setzen auf eine 6er, maximal 8er. Und zwar in Grau oder Olivgrün, was die Schnurbeobachtung schwerer macht und die Bedeutung der sensiblen Rutenspitze nochmal erhöht. Inzwischen weiß ich, dass man die Bisse sieht, bevor man sie spürt.

Die Schweizer Methoden

No-Action-Twitchen: Um die Barsche aus der Reserve zu locken, setzen „meine“ Schweizer beim klassischen Gummifischangeln mit Shads am Bleikopf fast ausnahmslos auf den Keitech Shad Impact in 3‘‘ oder 4‘‘. Er wird mit einem Straight Head von Illex kombiniert, der den Köder beim Antwitchen zur Seite ausbrechen lässt. Der Köder wird mit der aufs Wasser zeigenden und dann zur Seite gezupften Rute vom Grund abgehoben und in dieser Bewegung mit Minitwitches, die ihn auch während seines Fluges ganz leicht ausbrechen lassen, bearbeitet. Um möglichst lange und flache Sätze zu erzeugen, braucht man eine Rutenlänge von mindestens 2,1 m, wo wir wieder bei der Diaflash wären.

Mittelwasser-Carolina: Wenn die Barsche passiv im Mittelwasser stehen, setzen di Schweizer Spezis am Lugano See auf ein langes C-Rig. Das Vorfach sollte mindestens 1 m lang sein. Das ca. 5 Gramm schwere Blei wird vorm Wirbel nicht mit einer Plastikperle gebremst, sondern mit einer Gummiperle, die als Schockabsorber dient. Am Haken sitzt eine Little Spider oder ein anderer Doppelschwanztwister. Dieser wird mit Microzupfern animiert, so dass er sich schön bewegt aber nicht hyperaktiv herumfuhrwerkt.

Deep-Sea-Texas: Ihr feinen Yamamoto-Würmer bieten die Egli-Fans teilweise in extremen Tiefen an. Aber eben an extrem niedrigen Bleigewichten, die sie zu einer extrem langsamen Köderführung zwingen, die von kleinen Zupplern und vielen Pausen geprägt ist. Und wenn ein Egli zuschnappt, lässt man ihm vorm Anhieb ein wenig Zeit, um auf Nummer Sicher zu gehen. Durch die weiche Rutenspitze sitzt fast jeder Anhieb, weil die Fische über die Distanz keinen Widerstand spüren.

Liebe Klarwasser-Barsch-Angler in Deutschland und Österreich: Ich kann euch diese Angelei nicht nur deshalb empfehlen, weil sie so effektiv und auch alternativlos ist, wenn ihr Barschzicken aus extrem sichtigen Gewässern zaubern müsst. Das Angeln mit so feinem und bis ins letzte Detail durchdachtem Geschirr macht auch wahnsinnig viel Spaß. Nicht nur weil man damit Fische fängt, die man vorher nicht gefangen hat, sondern auch weil die Würfe, die Köderanimation und die Drills am Super-Sensitiv-Gerät ein Hochgenuss für jeden Barschangler sind.

Ist ja klar, dass das auch in trüben, flachen und fließenden Gewässern funktioniert. So habe ich mit meiner Diaflash (2,2 m lang / WG 2 – 10 Gramm) inzwischen schon viele Barsche aus der Spree getwicht. Aber auch am Peenestrom war ich mit dem UL-Geschirr sehr erfolgreich. Wo andere in voller Strömung 28 Gramm vor ihren Gummifisch schalten mussten, kam ich aufgrund der dünnen Schnur mit einem 8 Gramm Texas-Rig zu den Barschen und Zandern runter und hatte so einen Spaß an dieser Angelei, dass ich die Diaflash fast nicht mehr aus der Hand genommen habe.

Beste Grüße, euer Johannes