Wohl dem…

Prolog: Die WPC 2017 ging für mich mit einem Schocker los: mit dem Rutenbruch einer meiner Hauptruten. Und hätte Dustin nicht eine Fireblood in 2,4 m bis 80 Gramm UND würde der Kollege nicht eh viel lieber mit der Baitcaster werfen, hätte ich vielleicht einen oder zwei Fische weniger gefangen. Und dann wär’s nix geworden mit dem Titel „WPC Champion 2017“, (Ich kann’s gar nicht oft genug lesen und schreibe es deshalb immer mal wieder auf. Sorry…)

Einschub: Wer meine Blogs verfolgt und mich auf Facebook in der Freundesliste hat (leider voll – was ein Schwachsinn mit dieser 5000er-Beschränkung), weiß, dass ich meine Ruten auf Flügen in ein Abflussrohr presse. Da passen – bei guter Pressung – ca. 15 Ruten rein. Die nehme ich auch meistens mit. Man weiß ja nie…

Man sieht es dem Aufkleber an: Ein paar Flüge hat das Rohr schon hinter sich.

Das Ganze hat aber schon ein bisschen negative Auswirkungen aufs Geschirr. Ich muss z.B. oft Ringe zurückbiegen. Einmal ist mir dabei ein Ring auch schon aus der Fassung gerutscht. Zwar stecke ich alle Ruten in Rod Gloves. Aber auf dem Flug und besonders beim Be- und Entladen des Fliegers werden die Teile sicher gut durchgeschüttelt und bekommen mal einen Schlag mit.

Hauptteil: Manche Schläge haben schlimme Folgen. Dieses Jahr in Spanien ist mir eine Zodias zerbrochen. Ärgerlich, weil es bis dahin meine Hauptrute war. Aber ich hatte ja reichlich Ersatz im M und MH-Bereich (7 bis 30 Gramm) dabei. Als ich bei der WPC vorm ersten Wettkampftag meine Fireblood aufgebaut habe, mit der ich auf Zander und Hecht fischen wollte, habe ich nochmal kurz am Köder gezogen, um mich an der Spitzenaktion zu erfreuen. Klack. 20 Zentimeter Spitze ab.

Noch ein Einschub: Man macht das nicht. Der Winkel ist dann brutal ungünstig. Das wird einem im Angelladen jeder Verkäufer sagen. Manchmal muss man Dinge erst selber erleben, um dran zu glauben. Bislang ging das immer gut.

Weiter im Hauptteil: Ausgerechnet jetzt bei der WPC nicht. Schock. Zwar propagiere ich auch immer mehr das Angeln mit der Baitcaster und ich hatte auch starke BC-Kombos dabei. Z.B. extra die Expride XH bis 56 Gramm, mit der ich noch viele Zander und Hechte fangen werde. Aber: Starker Wind (und daraus resultierende Schnurbögen), die Wettkampfsituation und die Tatsache, dass ich mit selbiger Rute bei der WPC einen 1,20er Hecht gefangen habe und damit WPC-Glück an der Fireblood klebt, sprachen dafür, die Fireblood als eine der 3 Ruten auszuwählen, die ständig griffbreit sein mussten. (Die anderen Kombos waren im geräumigen Rutenstauraum untergebracht.)

Letztes Jahr habe ich viel mit der Zodas MH gefischt. Als ich den Hecht hier im Kraut am Haken hatte, war ich froh, zur rechten Zeit auf die 80-Gramm-Rute umgestellt gehabt zu haben.

Schock. Aber keine Starre. Dustin war beim täglichen Captains-Briefing um dort über den Ablauf des Tages bzw. eventuelle Verschiebungen der Startzeit oder der Startlinie unterrichtet zu werden. Der Bootscheck (das Boot wird täglich auf Köderfische, Würmer oder andere verbotene Köder bzw. Montagen überprüft) war absolviert. Und im Rutenstauraum lag noch Dustins Fireblood mit dem selben WG. Allerdings mit einer 2500er Stradic (der weiße Klassiker mit Doppelkurbel) dran. Und ich wollte eine 4000er Rolle fischen und starke Schnur. Auf meiner Biomaster war 20er oder sogar 24er 832 drauf. Also: Meine Rolle von meiner Fireblood runter, Dustins Fireblood von der Stradic befreit, Biomaster auf Fireblood, Stahl dran, Köder dran. Fertig.

Als ich Dustin die Geschichte erzähle, ist der nicht so begeistert. Mein Vorschlag, die Rute zu teilen, traf auf gedämpfte Euphorie. Er mag halt die Stradic. Ich hingegen frage mich, wie man allen Ernstes eine 80-Gramm-Rute in 2,4 m mit einer 2500er Rolle fischen kann. Passt für mich gar nicht. Geschmackssache. Da wir uns aber auf dem Weg zum Start befanden, war ein Rückmontieren ausgeschlossen. Schließlich mussten wir auf dem Weg durch den Kanal ja auch noch mit Dustins Instagram-Followerschaft konferieren. Ich hab mich bei den Jungs erkundigt, zu welche Rute sie mir raten würden. Die einhellige Meinung: ‚Fireblood. Go big or go home!‘ Nun brauche ich normalerweise keine Beratung von Menschen, die selber noch nie auf dem Gewässer gefischt haben und gar nicht wissen können, was für Köder ich schmeißen will und wie ich da angeln möchte. Aber als wir am ersten Spot ankamen und ich vor der Frage stand: ‚Fireblood oder Expride (MH bis 21 Gramm)?‘, hat diese witzige Mini-Konferenz vielleicht sogar einen kleinen Einfluss darauf gehabt, dass sich die Wage zur Fireblood neigte.

Und das war wohl auch richtig so. Zwar gab’s auch viele Phasen, in denen ich andere Ruten gefischt habe. Aber im Verlauf der Competition kamen 8 von 11 Fischen auf die 80-Gramm-Rute. Darunter waren auch einige Fische auf volle Wurfdistanz. Nicht dass ich da mit der Expride nicht hingekommen wäre. Die ist ein Wurfmonster. Aber ob ich damit auch so gut wie jeden Biss verwandelt hätte?

Einen Biss weniger verwandelt – und nix wäre es gewesen.


Fazit:
Mit der fast 30 cm längeren Fireblood konnte 8 von 10 Bissen verwandeln. Ein Fehlbiss. Ein Aussteiger, an dem evtl. ein lascher Anhieb schuld war (ab und an hat man aber halt auch mal einen Aussteiger). Rutenwahltechnisch habe ich also alles richtig gemacht. Nur über die Behandlung meiner neuen 2,40er in Feuerrot muss ich mir Gedanken machen. In dieses Abflussrohr werden künftig nicht mehr als 10 Ruten gepresst. Den „Platz“ nutze ich für eine Schicht aus Luftkissen-Folie.

Schönen Sonntag bzw. einen guten Start in die neue Woche!

Johannes

PS: Ach ja. Die Überschrift muss noch ergänzt werden: … der einen Kumpel dabei hat, der einem eine Fireblood ausleiht, wenn’s drauf ankommt.

PSS: Das Video könnt ihr euch mal reinziehen. Gut gemacht!

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Ein Kommentar

  1. Hey Johannes,

    kennste eigentlich http://www.barsch-alarm.de? Da gibt es einen Forenpartner namens nippon-tackle.com, der schöne Rutentransportrohre anbietet! 😉

    Zum Spitzenbruch mein herzliches Beileid, durfte ich auch schon erleben…

    Grüße – Joschi

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